Beitrag zum Wetbewerb zur Kommentierung des Kriegerehrenmals ,,Den Helden 1914-18″ von Schurich und Wendt von 1935.
Die Idee
Die Idee besteht aus Zwei Teilen, einem baulichen und einer Sozialen Plastik die zusammen den Kommentar zum Ehrenmal bilden.
Baulicher Teil

Das gespaltene Haus
Das gespaltene Haus soll ca. 16 Meter vor dem Mahnmal mit der Giebelseite zum Weg stehen.´ Es ist in der Mitte in zwei Teile geteilt die sich leicht nach außen neigen. In der Draufsicht bildet das Haus ein zum Mahnmal hin offenes U. Eine Rückwand und ein Dach gibt es nicht. Im Inneren des U ´´´s soll die Soziale Plastik, der Ort für Trauer und Gedenken entstehen.
Das Haus soll so positioniert werden, dass der Soldat des ursprünglichen Mahnmals mitten im Riss erscheint, er lässt es bersten.

Demaskierende Wirkung
Die unterschwellige Gewalt, die vom Mahnmal ausgeht, wird so verstärkt und erfahrbarer gemacht. Der Krieg zerstört das Leben der Menschen und der Völker. Er dringt in ihre Häuser und Wohnungen, reißt Lücken in ihre Familien, unter ihren Freunden, Nachbarn und Kollegen. Er hinterlässt einen Riss aus Schmerz und Trauer der nicht zu schließen ist.
Soziale Plastik

Die Fliesen
Die Bewohner des Stadtteils sollen aufgefordert werden im Gespaltenen Haus ihrer Toten aus Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken. Sie können Druckvorlagen für die Fliesen schaffen. Die Fliesen im Format 15x15cm werden dann im Inneren des Hause angebracht, so entsteht hier ein Ort des Gedenkens.
Um wen getrauert wird
Um alle Toten, aber es sind nur Privatfotos erlaubt; keine Menschen in Uniformen. Keine Nennung von militärischen Einheiten und Dienstgraden. Möglich sind auch Texte und Zeichnungen.

Was soll gezeigt werden
Auf den Fliesen können Fotos, Zeichnungen oder Bilder sein. Erinnerungen an Frauen, Männer und Kinder, an Soldaten, Bombentote, Kriegsgefangene, Wiederstandskämpfer, Journalisten und wegen ihrer religiösen, politischen , ethnischen Zugehörigkeit oder sexuellen Ausrichtung Verfolgter. Getötete aus allen Kriegen, vergangen oder gegenwärtig, ohne Ansehen aller trennenden Äußerlichkeiten, einfach nur geliebte Menschen, egal von woher, die nun tot sind und für immer verloren. Alle Abgebildeten dürfen ausschließlich Zivilkleidung tragen. Auch textlich sind die Nennung von militärischen Einheiten oder politischer Organisationen nicht erwünscht. So können auch ehemalige Feinde nebeneinander stehen, nur als Menschen, wobei die Verstrickungen an diesem Ort in den Hintergrund treten können.
Wer schafft die Vorlagen
Die Vorlagen für die Fliesen können von Vereinen, Parteien, Verbänden, Zusammenschlüssen aller Art, Privatpersonen oder Familien kommen. Insbesondere von Schulen im Rahmen von Projektarbeit. Sie können aus Fotos, Bildern und Texten bestehen. Kinder können Bilder malen und Abschied nehmen von ihren getöteten Geschwistern oder Eltern. Die Möglichkeiten der Beteiligung sind vielfältig. So entsteht mit der Zeit ein Lesebuch der Konflikte und der Erinnerungskultur.
Die Vorlagen müssen natürlich auf inhaltliche wie formale Eignung transparent überprüft werden.
Fortschreibung in der Zeit und in der öffentlichen Aufmerksamkeit
Wichtig ist vor allem, dass die Ausgestaltung mit neuen Fliesen kontinuierlich fortgesetzt wird. So könnten zum Beispiel jährlich zum Volkstrauertag, zum Gedenken und zur Kranzniederlegung immer neue Fliesen angebracht werden und ihrer besonders gedacht werden. Es werden immer wieder interessante oder rührende Geschichten an die Öffentlichkeit gelangen und von der Regionalpresse aufgegriffen. Die Frage, wer wie wem inhaltlich und formal an diesem Ort gedenken darf, wird zu Kontroversen führen. So kann dazu beigetragen werden, das gesellschaftliche Bewusstsein für Krieg und Gewaltherrschaft in der Öffentlichen Diskussion zuhalten und unsere historische wie aktuelle Verwicklung immer wieder neu zu deuten. So entsteht ein pulsierender Körper der Erinnerung der sich immer fortschreibt.
Ein öffentlicher Ort zum Gedenken für alle
So kann aus einem verstaubten Ort des Gedenkens an die Deutschen Opfer der Weltkriege ein lebendiger Ort des Gedenkens für alle entstehen, an dem auch außerhalb der ritualisierten Gedenktage eine Blume zum Gedenken an einen geliebten Menschen ihren Platz findet. Für die im Auslandseinsatz getötete Bundeswehrsoldatin, dem toten Bruder in Syrien, dem deutschen Soldaten und dem Rotarmisten oder der polnischen Partisanin, die ihr Land gegen ihn verteidigt haben. Ein Ort der Trauer für die veränderte deutsche Gesellschaft, die aus vielerlei unterschiedlichen Herkünften und Biografien besteht.
Ich möchte für das Bramfelder Mahnmal eine Kommentierung schaffen, die keine neue Motivation liefert in den Krieg zu ziehen, die Menschen verbindet, und einen öffentlichen Ort der Trauer schaffen, der das Weiterleben bejaht und nicht das Sterben feiert.